Wer glaubt, mit ein paar Preiserhöhungen sei die Sache erledigt, greift zu kurz. Tragfähige Preisstrategien entstehen dort, wo Wareneinsatz, Personalplanung, Speisekarte und operative Abläufe als Gesamtsystem betrachtet werden.
Warum Inflation der Gastronomie besonders zusetzt
Kaum eine Branche ist so unmittelbar von Kostensteigerungen betroffen wie das Gastgewerbe. Die Fixkosten laufen weiter, ganz gleich, wie viele Tische besetzt sind. Umsatz und Auslastung hängen dagegen direkt vom Verhalten der Gäste ab, und die sind selbst von der Inflation betroffen.
Besonders spürbar schlagen derzeit zu Buche:
- Steigende Lebensmittelpreise, insbesondere bei Fleisch, Fisch und importierten Waren;
- Höhere Energiekosten für Küche, Kühlung und Beleuchtung;
- Steigende Miet- und Nebenkosten in gefragten Lagen;
- Höhere Personalkosten durch Mindestlohn-Anpassungen und Fachkräftemangel;
- Teurere Verpackungen, Reinigungsmittel und externe Dienstleistungen.
Das Ergebnis: Der Druck, wirtschaftlich zu arbeiten, wächst, während gleichzeitig jede unüberlegte Preiserhöhung Gäste kosten kann. Genau in diesem Spannungsfeld muss eine gute Preisstrategie funktionieren.
Die 7 %-Mehrwertsteuer: neuer Spielraum seit 2026
Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Speisen in der Gastronomie wieder dauerhaft der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 %. Automatisch mehr Gewinn bedeutet das nicht, wohl aber neue Möglichkeiten in der Kalkulation.
Viele Betriebe nutzen den Spielraum nicht für pauschale Preissenkungen, sondern gezielt für:
- Investitionen in Ausstattung, Digitalisierung oder Personal;
- Eine bessere Deckung der gestiegenen Betriebskosten;
- Attraktivere Preise bei ausgewählten Gerichten oder Menüs;
- Mehr Flexibilität bei Aktionsangeboten und saisonalen Karten.
Wer wissen möchte, was die Regelung im Detail für den eigenen Betrieb bedeutet, findet die wichtigsten Fakten im Zenchef-Guide zur Mehrwertsteuer in der Gastronomie.
Restaurantpreise richtig kalkulieren: die Grundlagen
Ein guter Verkaufspreis entsteht nicht am Ende der Speisekartengestaltung, sondern ganz am Anfang der Kalkulation. In die Rechnung gehören:
- Rohstoffkosten;
- Personalkosten;
- Energiekosten;
- Miet- und Fixkosten;
- Die gewünschte Gewinnmarge;
- Die eigene Marktpositionierung;
- Die Wettbewerbssituation vor Ort.
Ein klassischer Fehler: Preise werden allein anhand der Zutatenkosten festgelegt. Tatsächlich machen Rohstoffe oft nur einen Teil der Gesamtkosten eines Gerichts aus, Personal, Energie und Miete fließen mindestens genauso stark ein. Wer nur den Wareneinsatz im Kopf hat, kalkuliert am eigenen Betrieb vorbei.
Konkret heißt das: Zum reinen Wareneinsatz eines Gerichts kommt ein anteiliger Aufschlag für alle weiteren Kosten hinzu, bevor am Ende die gewünschte Marge aufgeschlagen wird. Ein vereinfachtes Beispiel mit der sogenannten Vollkostenkalkulation:
- Wareneinsatz pro Portion: 4,00 €
- Anteilige Personal-, Energie- und Fixkosten pro Portion: wird auf Basis der monatlichen Gesamtkosten und der verkauften Portionen ermittelt, in diesem Beispiel 5,50 € pro Portion
- Selbstkosten pro Portion: 4,00 € + 5,50 € = 9,50 €
- Gewinnaufschlag: bei angestrebten 20 % Marge auf die Selbstkosten ergeben sich 1,90 €
- Kalkulierter Nettoverkaufspreis: 9,50 € + 1,90 € = 11,40 €
- Bruttoverkaufspreis inkl. 7 % Mehrwertsteuer: 11,40 € × 1,07 ≈ 12,20 €
Dieser Wert ist die rechnerische Untergrenze für eine wirtschaftliche Kalkulation; die tatsächliche Preisgestaltung berücksichtigt zusätzlich Positionierung und Wettbewerb und kann je nach Konzept auch deutlich darüber liegen.







