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Recruiting in der Gastronomie: So finden Restaurants trotz Fachkräftemangel die richtigen Mitarbeitenden

Es ist eine stille Umkehrung: Nicht mehr Bewerbende bewerben sich bei Restaurants, Restaurants bewerben sich bei ihnen. Dieser Guide zeigt, wie Rekrutierung im heutigen Fachkräftemangel trotzdem gelingt.

7 min.
Aktualisiert am
4/8/2026
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Artikelzusammenfassung:
  • Der Fachkräftemangel hat den Bewerbermarkt in der Gastronomie umgedreht: Betriebe müssen sich heute aktiv um Personal bemühen statt umgekehrt.
  • Offene Stellen im Gastgewerbe bleiben mit rund 194 Tagen im Schnitt deutlich länger unbesetzt als in anderen Branchen.
  • Die Fluktuation in der deutschen Gastronomie zählt mit Werten von teils über 60 Prozent zu den höchsten aller Branchen.
  • Wettbewerbsfähige Löhne sind eine Grundvoraussetzung, entscheiden allein aber selten über Bewerbungen.
  • Planbarkeit, etwa durch digitale Dienstpläne oder Modelle wie die 4-Tage-Woche, wirkt sich messbar auf Bindung und Bewerberinteresse aus.
  • Psychologische Sicherheit und eine wertschätzende Unternehmenskultur zählen zu den wirksamsten Hebeln gegen Fluktuation.
  • Quereinsteigende gezielt zu rekrutieren und strukturiert einzuarbeiten, wird angesichts des Fachkräftemangels zur betrieblichen Notwendigkeit statt zur Ausnahme.
  • Digitale Reservierungssysteme und andere Tools ersetzen keine Gastfreundschaft, schaffen aber Zeit, die Teams für genau diese aufwenden können.
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Es ist eine stille Umkehrung, die sich in den letzten Jahren durch die deutsche Gastronomie gezogen hat: Es sind nicht mehr Bewerberinnen und Bewerber, die sich bei Restaurants bewerben, Restaurants bewerben sich bei ihnen. Wer heute eine Stelle in Küche oder Service ausschreibt, konkurriert nicht nur mit dem Restaurant um die Ecke, sondern mit dem Einzelhandel, der Logistikbranche und praktisch jedem anderen Arbeitgeber, der planbarere Arbeitszeiten verspricht.

Diese Verschiebung lässt sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme auffangen. Erfolgreiche Betriebe kombinieren wettbewerbsfähige Löhne mit echter Planbarkeit, öffnen sich für Quereinsteigende, nutzen lokale Netzwerke gezielter als früher und setzen Technologie so ein, dass sie bestehende Teams entlastet, statt sie zu ersetzen.

Vom Arbeitgebermarkt zum Bewerbermarkt: ein grundlegender Rollentausch

Lange Zeit konnten sich Restaurants aussuchen, wen sie einstellen. Diese Zeit ist vorbei. Wer heute eine Stelle besetzen möchte, muss den eigenen Betrieb so präsentieren, dass er im Vergleich zu anderen Arbeitgebern, auch außerhalb der Gastronomie, überzeugt. Das betrifft die Stellenanzeige ebenso wie das Vorstellungsgespräch, in dem zunehmend beide Seiten prüfen, ob es passt.

Diese Verschiebung hat handfeste Gründe. Die Vakanzzeit im Gastgewerbe, also die Zeit zwischen geplanter und tatsächlicher Stellenbesetzung, lag im Zeitraum von Mai 2025 bis April 2026 bei durchschnittlich 194 Tagen, gegenüber 162 Tagen im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige. Wer eine offene Stelle in der Küche oder im Service hat, wartet damit spürbar länger auf geeignetes Personal als Betriebe in den meisten anderen Branchen.

Die Zahlen hinter dem Mangel, und warum sie vorsichtig zu lesen sind

Die Datenlage zum Fachkräftemangel in der Gastronomie ist auf den ersten Blick uneinheitlich. Wie das Handelsblatt herausfand, fehlten im Zeitraum 2024/25 nur noch rund 2.700 Fachkräfte im Hotel- und Gaststättengewerbe, 2023 waren es noch über 43.900 offene Stellen. Auf den ersten Blick liest sich das wie eine deutliche Entspannung.

Mehrere Fachbeobachter warnen jedoch davor, diese Zahl unkritisch als gute Nachricht zu lesen. Der Rückgang entsteht nicht in erster Linie dadurch, dass Teams endlich vollständig besetzt sind, sondern dadurch, dass Betriebe, möglicherweise als Folge der harten Coronajahre, ihre Kapazitäten reduzieren, etwa durch kürzere Öffnungszeiten, verschlankte Konzepte oder Betriebsaufgaben. Gleichzeitig bleibt die Fluktuation in der Branche außergewöhnlich hoch: Schätzungen gehen von einer jährlichen Fluktuationsrate zwischen 60 und 70 Prozent aus, verglichen mit rund einem Drittel im branchenübergreifenden Durchschnitt. Für Restaurantbetreiber heißt das: Personal zu finden ist nur die halbe Miete, die eigentliche Herausforderung liegt darin, es auch zu halten.

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Wettbewerbsfähige Löhne: notwendig, aber nicht ausreichend

Faire, wettbewerbsfähige Bezahlung bleibt die Grundvoraussetzung für erfolgreiches Recruiting, ohne sie wird jede weitere Maßnahme wirkungslos. Gleichzeitig zeigt die Praxis vieler Betriebe: Wer ausschließlich über den Lohn konkurriert, gerät gegenüber besser finanzierten Wettbewerbern schnell ins Hintertreffen, ohne dass sich an der eigentlichen Fluktuation etwas ändert. Entscheidend wird deshalb zunehmend, was zusätzlich zum Gehalt angeboten wird, allen voran Planbarkeit und eine Unternehmenskultur, in der Mitarbeitende bleiben wollen.

Planbarkeit als Königsdisziplin: digitale Dienstpläne und die 4-Tage-Woche

Kaum ein Faktor beeinflusst die Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber in der Gastronomie so stark wie die Frage, wie verlässlich der eigene Dienstplan ist. Kurzfristige Einsätze, spät kommunizierte Schichten oder unklare freie Tage zählen zu den häufigsten Gründen, warum Mitarbeitende die Branche wieder verlassen.

Digitale Dienstplanung schafft hier Abhilfe, indem sie Schichten frühzeitig, transparent und mit klaren Vertretungsregelungen kommuniziert, ein Standard, den viele Bewerbende inzwischen als selbstverständlich voraussetzen. Auch Modelle wie die 4-Tage-Woche gewinnen an Bedeutung: Erste Pilotprojekte in der Gastronomie deuten darauf hin, dass längere Erholungsphasen sowohl die Zufriedenheit bestehender Teams steigern als auch die Attraktivität für neue Bewerbende erhöhen. Wie sich ein verlässlicher, digitaler Dienstplan konkret aufbauen lässt, zeigt der Guide zur Personaleinsatzplanung in der Gastronomie.

Psychologische Sicherheit: der unterschätzte Hebel gegen Fluktuation

Neben Lohn und Planbarkeit rückt ein dritter Faktor zunehmend in den Fokus erfolgreicher Betriebe: eine Unternehmenskultur, in der sich Mitarbeitende trauen, Fragen zu stellen, Fehler anzusprechen und Kritik zu äußern, ohne Angst vor Bloßstellung. Dieses Konzept der psychologischen Sicherheit stammt ursprünglich aus der Organisationsforschung, gewinnt aber gerade in stressigen Restaurantbetrieben an Bedeutung, weil hier besonders leicht eine Kultur entsteht, in der Fehler sanktioniert statt besprochen werden.

Betriebe, die aktiv an dieser Kultur arbeiten, durch regelmäßiges Feedback, klare Entwicklungswege und einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe, berichten regelmäßig von spürbar geringerer Fluktuation. Wie sich eine solche Kultur führungsseitig aufbauen lässt, beschreibt der Guide zur Mitarbeiterführung in der Gastronomie im Detail.

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Quereinsteigende gezielt rekrutieren

Angesichts des angespannten Arbeitsmarkts setzen immer mehr Betriebe bewusst auf Menschen ohne einschlägige Gastronomieausbildung. Der Leitgedanke dahinter lässt sich vereinfacht so zusammenfassen: für die Grundhaltung einstellen, die fachlichen Fähigkeiten anschließend vermitteln. Wer ausschließlich nach ausgebildeten Köchinnen und Köchen oder erfahrenen Servicekräften sucht, schöpft nur einen Bruchteil des tatsächlich verfügbaren Arbeitsmarkts aus.

Damit aus Quereinstieg kein Fluktuationstreiber wird, braucht es allerdings Struktur:

  • klar definierte Lernpfade für die ersten Wochen;
  • ein Buddy- oder Patensystem, das neue Mitarbeitende durch den Arbeitsalltag begleitet;
  • feste Feedbackschleifen nach 30, 60 und 90 Tagen;
  • realistische, verständlich formulierte Stellenanzeigen, die auch Branchenfremde ansprechen.

Ohne dieses Fundament bleibt Quereinstieg eine gute Absicht, die in der Praxis schnell wieder zu hoher Fluktuation führt.

Lokale Netzwerke gezielter nutzen

Klassische Stellenanzeigen erreichen längst nicht mehr jede Zielgruppe, gerade jüngere Bewerbende suchen häufig über andere Kanäle. Bewährt haben sich in der deutschen Gastronomie unter anderem:

  • Empfehlungsprogramme, bei denen bestehende Mitarbeitende neue Kolleginnen und Kollegen werben;
  • Kooperationen mit örtlichen Berufsschulen und Ausbildungsmessen;
  • Präsenz auf Plattformen wie Social Media, über die insbesondere jüngere Zielgruppen aktiv nach Ausbildungsplätzen suchen;
  • feste Ansprechpartner im Betrieb für Praktika, Probetage oder Ferienjobs, die häufig den ersten Kontakt zur Branche herstellen.

Solche Netzwerke lassen sich nicht von heute auf morgen aufbauen, zahlen sich aber gerade dort aus, wo klassische Rekrutierungswege ins Leere laufen.

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Technologie als Entlastung, nicht als Ersatz

Ein verbreitetes Missverständnis lautet, digitale Tools und persönliche Gastfreundschaft würden sich gegenseitig ausschließen. Tatsächlich verhält es sich meist umgekehrt: KI-gestützte Reservierungssysteme übernehmen Anfragen, Bestätigungen und Wartelisten, die sonst Telefonzeit und Aufmerksamkeit binden. Serviceroboter, die in einzelnen Betrieben bereits im Einsatz sind, unterstützen beim Transport von Geschirr oder Speisen und entlasten damit körperlich beanspruchte Teams, ohne zwingend den direkten Kontakt mit Gästen gänzlich übernehmen zu müssen.

Der eigentliche Wert dieser Technologien liegt nicht in der Automatisierung selbst, sondern in der Zeit, die dadurch für echte Gastfreundschaft freiwird. Restaurants, die KI-gestützte Lösungen und digitale Reservierungssysteme einsetzen, berichten häufig, dass genau dieser gewonnene Freiraum es bestehenden Teams leichter macht, auch unter Personalengpässen einen guten Service aufrechtzuerhalten.

Der Rekrutierungsprozess: vom ersten Kontakt bis zum Onboarding

Ein strukturierter Prozess macht den Unterschied zwischen zufälligen Einstellungen und nachhaltiger Personalgewinnung:

Schritt

Ziel

Praxistipp

Stellenprofil

Zielgruppe realistisch ansprechen

Anforderungen auf das Nötigste reduzieren, Sprache verständlich halten

Ausschreibung & Kanäle

Sichtbarkeit über mehrere Wege sichern

Social Media, Empfehlungsprogramme und klassische Portale kombinieren

Auswahlgespräch

Passung auf beiden Seiten prüfen

Erwartungen an Arbeitszeiten und Kultur offen ansprechen

Onboarding

Frühe Fluktuation vermeiden

Feste Ansprechpersonen und klare erste Wochen definieren

Feedback nach 30/60/90 Tagen

Probleme frühzeitig erkennen

Kurze, regelmäßige Gespräche statt eines einzigen Jahresgesprächs

Fazit: Rekrutierung als Daueraufgabe, nicht als Einzelprojekt

Der Fachkräftemangel in der deutschen Gastronomie lässt sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme lösen, und die Datenlage zeigt, dass vorschnelle Entwarnung selten angebracht ist. Betriebe, die trotzdem erfolgreich Personal finden und halten, kombinieren meist mehrere Hebel gleichzeitig: faire Löhne als Basis, echte Planbarkeit im Alltag, eine Kultur, in der sich Mitarbeitende sicher fühlen, Offenheit gegenüber Quereinsteigenden sowie Technologie, die Teams entlastet statt sie zu ersetzen.

Wer diese Bausteine konsequent zusammenführt, verschafft sich einen der wenigen Wettbewerbsvorteile, die sich in einem so angespannten Arbeitsmarkt tatsächlich noch aufbauen lassen.

FAQ

Wie groß ist der Fachkräftemangel in der deutschen Gastronomie tatsächlich?

Offizielle Engpasszahlen sind zuletzt gesunken, spiegeln laut mehreren Fachanalysen aber eher schrumpfende Kapazitäten der Branche wider als eine echte Entspannung. Aussagekräftiger sind Kennzahlen wie die Vakanzzeit von rund 194 Tagen und eine Fluktuationsrate von teils über 60 Prozent.

Reichen höhere Löhne aus, um Personal zu gewinnen?

Wettbewerbsfähige Bezahlung ist eine Grundvoraussetzung, entscheidet aber selten allein. Planbarkeit und eine wertschätzende Unternehmenskultur wiegen bei der Bewerberentscheidung zunehmend genauso schwer.

Was bedeutet psychologische Sicherheit im Arbeitsalltag?

Gemeint ist ein Arbeitsumfeld, in dem Mitarbeitende Fehler ansprechen, Fragen stellen und Kritik äußern können, ohne Angst vor Bloßstellung. Sie zählt zu den wirksamsten, aber am häufigsten unterschätzten Hebeln gegen Fluktuation.

Lohnt sich die gezielte Rekrutierung von Quereinsteigenden?

Ja, sofern strukturiertes Onboarding mit klaren Lernpfaden und regelmäßigem Feedback vorhanden ist. Ohne diese Struktur führt Quereinstieg schnell zu erneuter Fluktuation.

Welche Rolle spielen lokale Netzwerke bei der Personalsuche?

Empfehlungsprogramme, Kooperationen mit Berufsschulen und Präsenz auf Social-Media-Plattformen erreichen zunehmend mehr Bewerbende als klassische Stellenanzeigen allein.

Ersetzt Technologie wie KI-Reservierungen oder Serviceroboter Personal in der Gastronomie?

Nein. Sie übernehmen administrative oder körperlich belastende Aufgaben und schaffen dadurch Zeit, die bestehende Teams für persönliche Gastfreundschaft nutzen können.

Wie sieht ein strukturierter Rekrutierungsprozess in der Gastronomie aus?

Er reicht von einem realistischen Stellenprofil über die passende Kanalwahl und ein offenes Auswahlgespräch bis zu strukturiertem Onboarding mit festen Feedbackterminen nach 30, 60 und 90 Tagen.

Artikel verfasst von:
Kim

Kim ist Foodie durch und durch. Mit ihrer Erfahrung als Eventmanagerin weiß sie genau, wie man Erlebnisse schafft, über die Gäste noch lange sprechen. Sie liebt es, neue Food-Trends aufzuspüren und daraus konkrete Ideen zu machen, mit denen Restaurants wirklich punkten können. Ihre Texte sind ehrlich, detailverliebt – und man merkt sofort, wie sehr sie für gutes Essen brennt.

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